Venustransit VENUSTRANSIT 2004
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VENUSTRANSIT IN ISLAND! (08.06.04)
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REISEBERICHT 2003 (MIT SONNENFINSTERNIS)
VENUSTRANSIT IN ISLAND (08.06.04)



Dies ist das morgendliche Konzert der Watvögel, das den Beginn des Venustransits begleitet hat.


Fahrtroute am 09.06.04
Fahrtroute am 08.06.04 (gelbe Punktierung) und Aufenthalte (dicke gelbe Punkte).
Bitte klicken Sie auf die Karte, um diese in Originalgröße in einem separaten Fenster anzuschauen.


Um 2.00 werde ich wach, es dauert aber noch ein paar Minuten, bis ich aus den Federn komme. Ein erster Blick aus dem Fenster bringt eine Überraschung: es beginnt aufzuklaren. Etwa 25 Minuten später bin ich startbereit. Bei der Fahrt über den Damm sehe ich, dass sich die Aufklarung auf die Umgebung von Akureyri beschränkt, Richtung Dalvík scheint alles dicht zu sein. Aber wird es sich halten? Da ich noch sehr viel Zeit habe, fahre ich weiter Richtung Goðafoss. Wie so oft liegt über dem Skjálfandarfljót eine Nebelbank. Ich kann aber erkennen, dass Richtung Húsavík ebenfalls eine geschlossene Wolkenschicht in etwa 2000 Metern Höhe hängt. Hier am Wasserfall beginnt es über dem Nebel aufzuklaren. Aber was ist mit den Hochebenen um Mývatn und Hrossaborg? Um das zu checken, fahre ich noch bis zum Másvatn hoch. Alles klar, Richtung Osten hängen offenbar sogar 2 Wolkenschichten übereinander. Akureyri ist tatsächlich erste Wahl. Ich mache noch ein paar Fotos, dann geht es zurück. Es ist jetzt etwa 03.50.

Mývatn unter Wolken
Blick über den Másvatn: Wolken.

Zu dieser nächtlichen Stunde ist der Verkehr mehr als dünn, ich habe unterwegs kein einziges anderes Auto gesehen! Dafür sind die Vögel umso aktiver, und bei der Auffahrt zum Pass über die Vaðlaheiði (Ortsmarke für GoogleEarth) habe ich dann eine sehr enge Begegnung mit dem Federvieh. Eine Grau-Gans (Anser anser) fliegt plötzlich links auf und quert die Straße, ich habe keine Chance zu reagieren. Das ist schlecht für die Gans, die ihren letzten Flug auf Odins Festtafel antritt, aber auch schlecht für meine Windschutzscheibe. Da die Beifahrerseite betroffen ist, stören die zahllosen Risse jedoch erst einmal nicht; ich werde mich am Nachmittag um eine neue Windschutzscheibe kümmern.

Vogelschlag
Gans am Morgen bringt Kummer und Sorgen.

Am Rastplatz gegenüber von Akureyri (Ortsmarke für GoogleEarth) lege ich einen kurzen Stop ein. Die Sonne scheint auf die Berge hinter der Stadt und auf die Hänge Richtung Hjalteyri. Doch die Skistation liegt im Schatten; es sind nämlich neue Wolken auf der Ostseite des Fjords aufgezogen.

Hänge bei Hjalteyri
Die Hänge bei Hjalteyri: Sonne.

Also fahre ich gleich Richtung Hjalteyri; als ich dort ankomme, ist es erstaunlicherweise schon 5 Uhr. Ich halte nach einem geeigneten Beobachtungsplatz Ausschau. Doch dann schiebt sich auch hier eine Wolke vor die Sonne. Im nach Südwesten führenden Hörgárdalur, durch das die Ringstraße verläuft, sieht es besser aus. Direkt vor der Brücke über die Hörgá sehe ich eine Zufahrt zu einer Kiesgrube, die mir seltsamerweise noch nie aufgefallen ist. Dort gibt es eine riesige Schotterfläche(Ortsmarke für GoogleEarth). Sofort wird klar: das ist mein Beobachtungsort, zumindest vorerst.

Beobachtungsort
Der Beobachtungsort bei der Brücke der S82 über die Hörgá.

Ich packe meine Ausrüstung aus, setze die Filter auf die Objektive von Kamera und Fernglas, halte die SoFi-Brille bereit. Meine Uhr zeigt jetzt 05.19, ich nehme die Sonne mit dem Fernglas ins Visier - tatsächlich, unten links ist eine winzige schwarze Delle im Sonnenrand - Venus ist da!
Ein paar Wolken ziehen durch, ich baue das Stativ auf und versuche, nun endlich die passende Einstellung zu finden. Zwischendurch werfe ich immer wieder einen Blick durchs Fernglas. Erneut verschwindet die Sonne hinter einer Wolke; es scheint sich doch zuzuziehen. Dann erreicht die Sonne die nächste schmale Wolkenlücke - der zweite Kontakt ist bereits erfolgt, Venus steht vollständig innerhalb der Sonnenscheibe, von einem Tropfeneffekt ist nichts zu bemerken.
Zu dieser frühen Uhrzeit ist auf der Straße noch nicht viel los. Der Morgen gehört allein dem vielstimmigen Konzert der Vögel: Rotschenkel, Regenpfeifer, Bekassine; im Hintergrund krächzen ein paar Schneehühner.

Schließlich finde ich die passende Kameraeinstellung - Blende 3.5, 1/1000, genau wie bei Vollmond. Ich war die ganze Zeit von einer viel stärkeren Lichtabschwächung durch die Filterfolie ausgegangen. Abwechselnd wird jetzt fotografiert und mit dem Fernglas geschaut. Es ist frappierend: ein gestochen scharfes, pechschwarzes Scheibchen schwebt vor der Sonne, das Fernglas gibt in der Tat einen räumlichen Eindruck, der durch die vorbeiziehenden dünnen Wolken noch verstärkt wird. Und Venus erscheint groß, größer als ich sie mir vorgestellt hatte. Auch mit bloßem Auge ist sie durch die SoFi-Brille jetzt, nachdem sie etwas in die Sonne hineingewandert ist, problemlos zu sehen. Damit wäre also die ganze Diskussion, ob es ohne optische Hilfen geht, erledigt.

Venustransit
Venus vor der Sonne!

Wolken
Immer wieder ziehen dünne Wolken durch.

Venustransit
Venus dringt tiefer in die Sonnenscheibe ein.

Venustransit
So etwa war der Anblick durch die SoFi-Brille.

Ich schaue mir die bisherigen Fotos am Notebook an, filme ein Panorama des Beobachtungsortes und dokumentiere den Vogelschlag-Schaden. Dann kümmere ich mich wieder um Venus. Jetzt scheint es doch mehr und mehr aufzuklaren. Das Handy klingelt, Katja ist am Apparat. Sie ist gerade auf der Poppelsdorfer Allee bei der Veranstaltung der Volkssternwarte Bonn. Für Katja ist es eine ganz besondere Venus: sie hat heute Geburtstag.

Hörgárdalur
Blick vom Beobachtungsort ins Hörgárdalur

Video (mp4, 4.5mb): Panorama des Beobachtungsortes


Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 12 vom 08.06.2004, 06.41 UT
Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 12 vom 08.06.2004, 06.41 UT.
Image courtesy to Dundee Satellite Receiving Station, Dundee University, Scotland.


Die Zeit vergeht wie im Flug, um kurz vor 8 Uhr ist eine ziemlich geschlossene Wolkendecke zu verzeichnen. Ich ziehe mich daher mit dem Notebook ins Auto zurück, um mit dem Bericht zu beginnen. Zwischendurch kommt die Sonne mal wieder zum Vorschein; ich mache aber erst einmal keine weiteren Fotos, sondern greife zum Fernglas.

Arbeitsplatz
Der improvisierte Arbeits- und Ausrüstungsplatz auf der Rückbank des Autos

Gegen 09.30 schalte ich das Notebook aus und mache wieder einige Bilder des Transits. Ich wechsele die Speicherkarte, fotografiere noch einmal das Umfeld meines Standortes, schalte das Notebook erneut an und füge die frischen Fotos in den Bericht ein.

Venustransit
Der größere Teil des Weges ist zurückgelegt.

Es ist erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht, nun ist es bereits 10.30 Uhr - ich bin seit über 5 Stunden hier. Längst hat das morgendliche Vogelkonzert dem Geräuschen der Autos auf der S 82 weichen müssen, auf der Brücke fährt irgendeine Reinigungs- oder Baumaschine lautstark hin und her. Ob von den Verkehrsteilnehmern jemand weiß, was da gerade am Himmel über ihm vorgeht? Die Venus jedenfalls schert sich nicht um die Alltäglichkeiten hier unten und nähert sich mit stoischer Ruhe ihrem Austrittspunkt aus der Sonnenscheibe.

Venustransit
Der Transit neigt sich dem Ende zu.

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Kurz vor dem 3. Kontakt.

Just kurz vor dem 3. Kontakt treten wieder mehr Wolken auf. Zwischendurch hatte ich ein paar Mal mit dem Gedanken an einen Standortwechsel gespielt, dies aber nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Nun ist es zu spät. Mit dem Fernglas dringt man zwar ganz gut durch die Wolkenschleier durch, die Kamera tut sich da sehr viel schwerer. Trotzdem erwische ich den 3. Kontakt ganz gut, dann ist wieder für ein paar Minuten alles dicht. Danach kann ich die Venus noch bis 11.17 Uhr als stetig kleiner werdende Einbuchtung am rechten Sonnenrand erkennen, nominal endet der Transit hier erst um 11.23 Uhr. Doch das Seeing ist nicht gut, der Sonnenrand verschwimmt im Fernglasbild etwas, so dass der Planet in den letzten Minuten nicht mehr eindeutig auszumachen ist.

Venustransit
Der 3. Kontakt.

Venustransit
Ein letzter Blick - auf Wiedersehen 2012!

Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 17 vom 08.06.2004, 11.20 UT
Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 17 vom 08.06.2004, 11.20 UT.
Image courtesy to Dundee Satellite Receiving Station, Dundee University, Scotland.


Diashow der Transit-Beobachtung.


Ich packe meine Sachen zusammen, fahre nach Akureyri zurück; munter rieseln feine Splitter der Windschutzscheibe hinab. Darum muss ich mich jetzt zuerst kümmern. Friðrik zeigt mir auf einem Stadtplan 3 Werkstätten. Bei der zweiten bin ich richtig, es ist eine offizielle Opel-Vertretung. Wieder Erwarten haben sie eine passende Scheibe vorrätig, um 16.00 soll die Reparatur bereits erledigt sein. Ein Isländer, der hier nach einem Ersatzteil fragt, erzählt mir, dass einem Freund von ihm das gleiche wie mir passiert sei.
In ein paar Minuten bin ich zu Fuß wieder in der Herberge. Wie gestern lose verabredet, gehen Friðrik und ich zum Kaffee. Im Bonus-Markt ist eine neue Cafeteria, die sich als recht ansprechend erweist. Anschließend fahren wir zu Friðrik, er zeigt mir Haus, Garten und Terrasse. In einem kleinen Glashaus wachsen schöne große Rosen. Schließlich schauen wir uns noch die Snowmobile an, die in einer Garage gegenüber der Herberge auf den nächsten - hoffentlich schneereicheren - Winter warten. Netterweise bringt mich Friðrik nun ins Stadtzentrum, wo ich Geld wechsele, um die Reparatur zu bezahlen.
Vom Internet-PC in der Tourist-Information aus aktualisiere ich Venustransit.de. Natürlich sind im Netz schon eine Reihe digitaler Fotos veröffentlicht worden, per Email haben wir Fotos, einen Bericht und ein Gedicht (!) erhalten. Bei strahlendem Sonnenschein spaziere ich vom Stadtzentrum zur Werkstadt; der Wagen ist fertig, und die Reparatur war deutlich preiswerter als der letzte Tausch der Windschutzscheibe in Deutschland.

Mit wieder freier Sicht nach rechts vorne fahre ich kurz am Hafen vorbei, wo ein Kreuzfahrtschiff liegt. Danach surfe ich am schnellen Internetzugang in der Bibliothek durch die einschlägigen Astro-Seiten und -Foren. Interessanterweise ist der Schwarze Tropfen fast nirgendwo gesichtet worden. Hat es sich vielleicht doch um einen Artefakt der alten Teleskope gehandelt? Dafür wurde der Atmosphärenring von einer Reihe von Beobachtern mit größeren Teleskopen bemerkt. Viele waren ebenso wie ich überrascht von der scheinbaren Größe der Venus.

Den weiteren Abend verbringe ich mit der Sichtung der zahlreichen Fotos vom Vormittag; zwischendurch quatsche ich mit Friðrik und einigen Gästen, die nach und nach eintreffen. Auch die attraktive Französin ist wieder da.
TEIL 7 DES REISEBERICHTES
ZUM ANFANG DES REISEBERICHTES
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