Lucas Edel: Venustransit.
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Venustransit 2012
© Venustransit.de 2000-2012
Lucas Edel: Venustransit.
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Reiseziele für den Venustransit 2012

EINFÜHRUNG NORD-SKANDINAVIEN SVALBARD ISLAND WÜSTE GOBI AUSTRALIEN HAWAII


Die neuseeländische Folk-Sängerin Willow Mackay komponierte 1969 zum 200. Jahrestag der Beobachtung des Venustransits 1769 durch James Cook den Song "Transit of Venus", den Sie hier in einer von uns arrangierten Instrumental-Version hören. Die Noten, den Text und eine kurze Erläuterung finden Sie bei Chuck Bueter.

EINFÜHRUNG

Der Venustransit 2012 ist in Mitteleuropa nicht in seinem ganzen Verlauf sichtbar. Wenn bei uns die Sonne aufgeht, hat Venus bereits mehr als die Hälfte ihres Weges über die Sonne zurückgelegt. Wer den Transit am 08.06.2004 in seinem ganzen Verlauf gesehen hat, wird das vielleicht verschmerzen können. Da ist dann natürlich noch das Wetter, das in Mitteleuropa nun einmal zu reichlicher Bewölkung tendiert. Ein Kurztrip ins Mittelmeergebiet ist durchaus erwägenswert, wenn man sich die Endphase des Transits mit hoher Wahrscheinlichkiet "abholen" möchte. Einige deutsche Amateurastronomen reisen daher nach Rhodos (Video des Transitablaufs). Wer den Transit jedoch in seiner vollen Länge verfolgen möchte, kommt um eine aufwendigere Reise nicht herum.

Sichtbarkeit des Venustransits 2012
Sichtbarkeit des Venustransits am 05./06.06.2012

Wenn wir nach Gegenden Ausschau halten, in denen die Sonne während des gesamten Transits, der gut 6 1/2 Stunden dauert, über dem Horizont steht, so werden wir zum einen im Fernen Osten und im Pazifik fündig, aber auch gar nicht soweit entfernt im hohen Norden Europas. Der Grund dafür ist simpel: Anfang Juni herrscht nördlich des 67. Breitengrades Mitternachtssonne. Da der Venustransit in der Nacht stattfindet, bedeutet dies aber auch einen niedrigen Sonnenstand. Daher kommen nur wenige regionalklimatisch bevorzugte Regionen in Skandinavien und Island als Reiseziel in Frage. In Ostasien sieht es wegen des Monsuns zumeist deutlich schlechter aus. Deutlich bessere Chancen hat man gemäß den Klima-Daten im Norden Australiens (dort ist Trockenzeit), in der Wüste Gobi im Westen Chinas mit ihrem kontinentalen Klima und auf Hawaii. In den folgenden Abschnitten stellen wir Ihnen die Ziele für Venustransit-Reisen kurz vor.

NORD-SKANDINAVIEN

Der Norden Skandinaviens ist von Mitteleuropa aus per Flugzeug rasch erreichbar. Die Chancen auf klaren Himmel sind leider nicht besser als in Mitteleuropa zur gleichen Zeit. Es gibt allerdings starke regionale Unterschiede. Auf der ozeanisch geprägten Westseite der Skanden, also entlang der norwegischen Küste, ist die Bewölkungswahrscheinlichkeit deutlich höher als auf der Ostseite, wo das Klima kontinentaler geprägt ist. Der Autor dieser Zeilen hat sich im Juni 2006 drei Wochen auf der Inselgruppe Vesterålen aufgehalten, die nördlich der Lofoten im Atlantik liegt. Klare Nächte, in denen man die Mitternachtssonne sehen konnte, waren ausgesprochen selten.

Mitternachtssonne Vesteraalen
Mitternachtssonne in Andenes /Vesterålen, 13.06.2006, 01:21 MESZ (Eigenes Foto)

Da die Sonne bei Beginn des Transits nur knapp über dem Horizont steht, ist es ohnehin schwierig, einen geeigneten Beobachtungsort zu finden, denn im gebirgigen Nordnorwegen ist freie Horizontsicht ein knappes Gut. Der aus historischen Gründen interessante Ort Vardø (Transitexpedition von Maximilian Hell 1769) liegt zwar an der Küste, befindet sich aber durch seine östliche Lage nicht mehr so stark im Einflussbereich atlantischer Luftmassen wie z.B. Vesterålen. Auf der nur wenig gewellten Finnmarksvidda im Inneren Lapplands ist man von der Bewölkungswahrscheinlichkeit her nur wenig besser aufgehoben. Klimatisch deutlich bevorzugt sind jedoch Gebiete im Lee der Skanden, namentlich die bekannte Bergbaustadt Kiruna, welche durch den Weltraumbahnhof Esrange und geophysikalische Forschungseinrichtungen auch ein astronomisch interessantes Reiseziel darstellt. Venustransit.de hat daher Kiruna als eigenen Beobachtungsstandort für den Transit 2012 entschieden.

Daten zum Venustransit
Standort: Luossavaara in Kiruna
Koordinaten: 67°52'N/20°13'E
Meereshöhe: 700m ü. NN.
 
1. Kontakt: 00:04:28 Uhr (Sonnenhöhe 0.7°)
2. Kontakt: 00:22:11 Uhr (Sonnenhöhe 0.5°)
Mitte des Transits: 03:29:32 Uhr(Sonnenhöhe +5.8°)
3. Kontakt: 06:36:08 Uhr (Sonnenhöhe 20.7°)
4. Kontakt: 06:53:43 Uhr (Sonnenhöhe 22.4°)
Bei den Angaben für die Sonnenhöhe beim 1. und 2. Kontakt ist die Refraktion nicht berücksichtigt. Diese hebt die Sonnenscheibe im Durchschnitt um 0.6° über die o.g. Werte an. Sie kann in hohen nördlichen Breiten aber bisweilen wesentlich größer ausfallen.
Ablauf des Venustransits in der Nacht vom 05. auf den 06.06.2012 in Kiruna/Nordschweden. Animation erstellt mit RedShift 4 . Maßstab der Zeitskala: 1:180, d.h. 1 Sekunde (= 1 Schritt) in der Animation entspricht 3 Minuten in der Wirklichkeit. Bezugsebene ist der Horizont, deshalb zieht die Venus scheinbar eine gekrümmte Bahn über die Sonne.

SVALBARD

Wer es exotisch mag, sollte einen Blick auf Svalbard werfen. Der auf halbem Weg zwischen Nordkapp und Nordpol gelegene Archipel ist per Flugzeug genauso einfach erreichbar wie Lappland. Anfang Juni steht die Sonne dort zur lokalen Mitternacht noch etwa 10 Grad (!) über dem Horizont. Vom Ort Longyearbyen aus wird sich der Transit sehr gut beobachten lassen - wir haben im Juni 2008 mehrere nächtliche Probebeobachtungen durchgeführt. In Longyearbyen fällt zwar kaum mehr Niederschlag als in der Sahara, trotzdem ist es sehr oft bewölkt. Dies ist insofern ein Problem, als man praktisch keine Ausweichmöglichkeit hat - es gibt lediglich 2 Straßen, die jeweils etwa 10 Kilometer weit vom Ort weg führen. Bei unserem zweiwöchigen Aufenthalt im Juni 2008 war die Zahl der Sonnenscheinstunden allerdings deutlich höher als erwartet.

Mitternachtssonne Svalbard
Mitternachtssonne in Longyearbyen / Svalbard, 16.06.2008, 00:26 MESZ. (Eigenes Foto)

ISLAND

Auf Island ist der Transit nicht im gesamten Verlauf sichtbar. Er beginnt am Abend des 5. Juni und endet am Morgen des 6. Juni. Wer sich im Norden der Vulkaninsel positioniert, kann dadurch ein Schauspiel erleben, das wahrscheinlich noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat: die Sonne geht mit der davorschwebenden Venus unter und nach knapp 2 Stunden später wieder auf. Ein- und Austritt der Venus aus der Sonnenscheibe können also beobachtet werden. Island besitzt zwei deutlich unterschiedene Klimazonen. Die Südhälfte ist durch atlantische Luftmassen wolken- und niederschlagsreich, der Norden ist wesentlich trockener und wolkenärmer. Ausgedehnte Schönwetterperioden sind hier gerade im Mai/Juni nichts ungewöhnliches. Zudem kann man mit dem Auto binnen weniger Stunden von der jeweiligen Luv- auf die Leeseite der Insel gelangen. Der Autor dieses Beitrages hat sowohl die Ringförmige Sonnenfinsternis am 31.05.2003 als auch den Venustransit am 08.06.2004 und die Partielle Sonnenfinsternis am 01.06.2011 im Norden Islands beobachtet. Der Erfolg war allerdings in allen Fällen den eigenen langjährigen Ortskenntnissen mit zu verdanken.

Mitternachtssonne Island
Tiefstehende Sonne am Skagafjörður / Nordisland, 06.06.2004, 23:19 Ortszeit. (Eigenes Foto)
Daten zum Venustransit
Standort: þórshöfn
Koordinaten: 66°12'N/15°20'W
Meereshöhe: 20m ü. NN.
 
1. Kontakt: 22:03:41 Uhr (Sonnenhöhe 4.9°)
2. Kontakt: 22:21:23 Uhr (Sonnenhöhe 3.7°)
Venusuntergang: 00:24 Uhr
Sonnenuntergang*: 00:32 Uhr
Sonnenaufgang**: 01:28 Uhr
Mitte des Transits: 01:28:41 Uhr
Venusaufgang: 01:37 Uhr
3. Kontakt: 04:36:00 Uhr (Sonnenhöhe 7.7°)
4. Kontakt: 04:53:42 Uhr (Sonnenhöhe 9.1°)
* Komplette Sonnenscheibe unter dem Horizont
** Nordrand der Sonnenscheibe erscheint über dem Horizont
Bei den Angaben für Sonnenuntergang und -aufgang wurde die Standard- Refraktion von 0.6° zu Grunde gelegt. Die Refraktion kann im Nordatlantik bisweilen wesentlich größer ausfallen. Es ist daher durchaus möglich, dass der Transit in seinem gesamten Verlauf zu beobachten ist. Bereits auf 100m ü. NN. geht die Sonne auch bei durchschnittlicher Refraktion nicht mehr komplett unter, auf 200m ü. NN. bleibt die Venus ebenfalls über dem Horizont.
Ablauf des Venustransits in der Nacht vom 05. auf den 06.06.2012 in þórshöfn/Island. Animation erstellt mit RedShift 4 . Maßstab der Zeitskala: 1:180, d.h. 1 Sekunde (= 1 Schritt) in der Animation entspricht 3 Minuten in der Wirklichkeit. Bezugsebene ist der Horizont, deshalb zieht die Venus scheinbar eine gekrümmte Bahn über die Sonne.

WÜSTE GOBI / SEIDENSTRASSE

Auf der Weltkarte der "Sonnenfinsternis-Jäger" hat die Wüste Gobi seit der Totalen Sonnenfinsternis vom 01.08.2008 einen festen Platz. Damals zog sich die Zentralzone aus der Arktis kommend über Novosibirsk, das Altaigebirge und den Westen der Mongolei, um dann der historischen Seidenstraße durch die chinesischen Provinzen Xinjiang und Gansu zu folgen. Der Venustransit am 06.06.2012 beginnt in dieser Gegend unmittelbar nach Sonnenaufgang, weshalb man freie Sicht bis zum Osthorizont benötigt. Als Beobachtungsorte bieten sich z.B. die Große Mauer in Jiayuguan oder auch die Stelle in der Wüste bei Jinta an, an der 2008 für einige Tage ein Sonnenfinsternis-Camp aufgebaut worden war. Die Wetterstatistiken sind für Juni zwar nicht ganz so günstig wie für August, aber besser als z.B. in Lappland oder Island.

SoFi-Camp Jinta
Das SoFi-Camp bei Jinta am 01.08.2008; etwa in dieser Richtung geht die Sonne am 06.06.2012 kurz vor Beginn des Venustransits auf. (Eigenes Foto)

AUSTRALIEN

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte den Venustransit in Australien beobachten, und zwar im Norden des Kontinents in der Region zwischen Halls Creek, Kathrine, Tennant Creek und Mount Isa. Unter den genannten Orten hat Kathrine nach denn Klimadaten ganz knapp die geringste Bewölkungswahrscheinlichkeit. Da es zudem via Darwin bequem erreichbar ist und in der Nähe mehrerer sehr besuchenswerter Nationalparks liegt, ist Kathrine weltweit vielleicht der beste Platz, um den Venustransit 2012 zu beobachten. Im Roten Zentrum des Kontinents rund um den Ayers Rock und Alice Springs ist das Bewökungsrisiko höher, aber immer noch viel geringer als in Europa. Wer Zeit mitbringt, kann natürlich auch einen Besuch des Roten Zentrums mit der Beobachtung des Venustransits z.B. in Tennant Creek verbinden.
Am 04.06.2012 gibt es noch eine kleine astronomische Zugabe, nämlich eine Partielle Mondfinsternis, die in Europa nicht zu sehen sein wird.

Im Roten Zentrum Australiens: die Olgas
Die Olgas im Roten Zentrum von Australien, aufgenommen am 12.05.2010. Foto von Angela Weidenbach
Daten zum Venustransit
Standort: Katherine
Koordinaten: 14°28'S/132°16'E
Meereshöhe: 105m ü. NN.
 
Sonnenaufgang: 07:00 Uhr
1. Kontakt: 07:45:18 Uhr (Sonnenhöhe 09.0°)
2. Kontakt: 08:03:20 Uhr (Sonnenhöhe 12.8°)
Mitte des Transits: 11:00:32 Uhr (Sonnenhöhe 45.7°)
3. Kontakt: 13:57:59 Uhr (Sonnenhöhe 48.1°)
4. Kontakt: 14:15:46 Uhr (Sonnenhöhe 46.0°)
Sonnenuntergang: 18:18 Uhr
Ablauf des Venustransits am 06.06.2012 (Ortszeit) in Katherine (Northern Territory, Australien). Animation erstellt mit RedShift 4 . Maßstab der Zeitskala: 1:180, d.h. 1 Sekunde (= 1 Schritt) in der Animation entspricht 3 Minuten in der Wirklichkeit. Bezugsebene ist der Himmelsäquator.

Wer es ganz ausgefallen mag, kann den Venustransit auf den Spuren von James Cook erleben. Ein Nachbau seines Schiffs Endeavour segelt am 31.05.12 von Sydney nach Lord Howe Island, wo der Venustransit beobachtet wird. Rückkunft in Sydney ist am 12.06.2012.

HAWAII

Hawaii weist durch seine Lage mitten im Pazifik und seine hohen Berge kleinrämig wechselnde Wetterverhältnisse auf. Wer hier den Venustransit, der nach Ortszeit am 5, Juni stattfindet, beobachten möchte, muss seinen Standort sorgfältig auswählen. Zudem benötigt man einen freien Blick zum Westhorizont, weil der Transit erst - je nach Höhenlage des Beobachtungsortes - zwischen 15 und 25 Minuten vor Sonnenuntergang endet. Möchte man das Bewölkungsrisiko weitgehend ausschalten, muss man sich auf den Gipfel des 4205m hohen Mauna Kea begeben. Hier befindet man sich fast immer über den Wolken in einer kristallklaren, trockenen Luft. Diesen Standortvorteil haben die Astronomen bereits vor Jahrzehten erkannt und auf dem Mauna Kea zahlreiche Observatorien errichtet. Wer mit der Höhenluft Probleme hat, kann den Transit von dem auf etwa 2500m Höhe gelegenen Besucherzentrum aus verfolgen. Dieses wird am 5. Juni 2012 der Mittelpunkt der astronomischen Welt sein, denn zahlreiche Gruppen insbesondere aus den USA haben sich angekündigt. Dementsprechend bereitet man sich auf dem Mauna Kea bereits auf den erwarteten Besucherstrom vor.
Am 04.06.2012 gibt es noch eine kleine astronomische Zugabe, nämlich eine Partielle Mondfinsternis, die in Europa nicht zu sehen sein wird.

SoFi-Camp Jinta
Einige der Observatorien auf dem Gipfel des Mauna Kea. Foto von Joachim Biefang
Daten zum Venustransit
Standort: Mauna Kea (Hawaii)
Koordinaten: 19°46'N/155°27'W
Meereshöhe: 4205m ü. NN.
 
Sonnenaufgang: 05:42 Uhr
1. Kontakt: 12:10:09 Uhr (Sonnenhöhe 86.2°)
2. Kontakt: 12:27:40 Uhr (Sonnenhöhe 86.6°)
Mitte des Transits: 15:27:20 Uhr (Sonnenhöhe 46.6°)
3. Kontakt: 18:26:39 Uhr (Sonnenhöhe 06.1°)
4. Kontakt: 18:44:31 Uhr (Sonnenhöhe 02.3°)
Sonnenuntergang: 19:09 Uhr
Ablauf des Venustransits am 05.06.2012 (Ortszeit) auf dem Gipfel des Mauna Kea auf Hawaii. Der Transit endet etwa 25 Minuten vor Sonnenuntergang. Animation erstellt mit RedShift 4 . Maßstab der Zeitskala: 1:180, d.h. 1 Sekunde (= 1 Schritt) in der Animation entspricht 3 Minuten in der Wirklichkeit. Bezugsebene ist der Himmelsäquator.