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THEMA 2010: VENUSTRANSIT 2012 - WO BEOBACHTEN?


Musik: "Fine Flowers in the Valley" (trad.), sequenced by Barry Taylor

Der Venustransit 2012 ist in Mitteleuropa nicht in seinem ganzen Verlauf sichtbar. Wenn bei uns die Sonne aufgeht, hat Venus bereits mehr als die Hälfte ihres Weges über die Sonne zurückgelegt. Wer den Transit am 08.06.2004 in seinem ganzen Verlauf gesehen hat, wird das vielleicht verschmerzen können. Da ist dann natürlich noch das Wetter, das in Mitteleuropa nun einmal zu reichlicher Bewölkung tendiert. Ein Kurztrip ins Mittelmeergebiet ist deshalb durchaus erwägenswert. Wer den Transit jedoch in seiner vollen Länge verfolgen möchte, kommt um eine aufwendigere Reise nicht herum.

Sichtbarkeit Venustransit 2012


Bewölkung Juni

Wenn wir nach Gegenden Ausschau halten, in denen die Sonne während des gesamten Transits, der gut 6 1/2 Stunden dauert, über dem Horizont steht, so werden wir zum einen im Fernen Osten und im Pazifik fündig, aber auch gar nicht soweit entfernt im hohen Norden Europas. Der Grund dafür ist simpel: Anfang Juni herrscht nördlich des 67. Breitengrades Mitternachtssonne. Da der Venustransit in der Nacht stattfindet, bedeutet das aber auch einen niedrigen Sonnenstand - und das bei einer Bewölkungswahrscheinlichkeit, die der in Mitteleuropa nicht nachsteht. Allerdings sieht es in Ostasien wegen des Monsuns auch nicht besser aus. Bleiben Australien, denn dort ist Trockenzeit, oder die Wüste Gobi im Westen Chinas mit ihrem Kontinentalklima.

Schauen wir uns einige Reiseziele für den Venustransit 2012 näher an:


NORD-SKANDINAVIEN
Der Norden Skandinaviens ist von Mitteleuropa aus per Flugzeug rasch erreichbar. Die Chancen auf klaren Himmel sind leider nicht besser als in Mitteleuropa zur gleichen Zeit. Es gibt allerdings starke regionale Unterschiede, die aus der oben abgebildeten Wettergrafik mit ihrem groben Raster nicht deutlich werden. Auf der ozeanisch geprägten Westseite der Skanden, also entlang der norwegischen Küste, ist die Bewölkungswahrscheinlichkeit deutlich höher als auf der Ostseite, wo das Klima kontinentaler geprägt ist. Der Autor dieser Zeilen hat sich im Juni 2006 drei Wochen auf der Inselgruppe Vesterålen aufgehalten, die nördlich der Lofoten im Atlantik liegt. Klare Nächte, in denen man die Mitternachtssonne sehen konnte, waren ausgesprochen selten.

Mitternachtssonne Vesteraalen
Mitternachtssonne in Andenes /Vesterålen, 13.06.2006, 01:21 MESZ


Da die Sonne bei Beginn des Transits nur knapp über dem Horizont steht, ist es ohnehin schwierig einen geeigneten Beobachtungsort zu finden, denn im gebirgigen Nordnorwegen ist freie Horizontsicht ein knappes Gut. Auf der nur wenig gewellten Finnmarksvidda im Inneren Lapplands ist man sowohl vom Relief als auch von der Bewölkungswahrscheinlichkeit her besser aufgehoben. Der aus historischen Gründen interessante Ort Vardø (Transitexpedition von Maximilian Hell 1769) ist vielleicht ein annehmbarer Kompromiss. Er liegt zwar an der Küste, befindet sich aber durch seine östliche Lage nicht mehr so stark im Einflussbereich atlantischer Luftmassen wie z.B. Vesterålen.


SVALBARD
Wer es exotisch mag, sollte einen Blick auf Svalbard werfen. Der auf halbem Weg zwischen Nordkapp und Nordpol gelegene Archipel ist per Flugzeug genauso einfach erreichbar wie Lappland. Anfang Juni steht die Sonne dort zur lokalen Mitternacht noch etwa 10 Grad (!) über dem Horizont. Vom Ort Longyearbyen aus wird sich der Transit sehr gut beobachten lassen - wir haben im Juni 2008 mehrere nächtliche Probebeobachtungen durchgeführt. In Longyearbyen fällt zwar kaum mehr Niederschlag als in der Sahara, trotzdem ist es sehr oft bewölkt. Dies ist insofern ein Problem, als man praktisch keine Ausweichmöglichkeit hat - es gibt lediglich 2 Straßen, die jeweils etwa 10 Kilometer weit vom Ort weg führen.

Bei unserem zweiwöchigen Aufenthalt im Juni 2008 war die Zahl der Sonnenscheinstunden deutlich höher als wir vermutet hätten.

Mitternachtssonne Svalbard
Mitternachtssonne in Longyearbyen / Svalbard, 16.06.2008, 00:26 MESZ


ISLAND
Auf Island ist der Transit nicht im gesamten Verlauf sichtbar. Er beginnt am Abend des 5. Juni und endet am Morgen des 6. Juni. Wer sich im Norden Islands positioniert, kann dadurch ein Schauspiel erleben, das wahrscheinlich noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat: die Sonne geht mit der davorschwebenden Venus unter und nach knapp 2 Stunden später wieder auf. Ein- und Austritt der Venus aus der Sonnenscheibe können also beobachtet werden. Auch Island hat zwei deutlich unterschiedene Klimazonen. Die Südhälfte ist durch atlantische Luftmassen wolken- und niederschlagsreich, der Norden ist wesentlich trockener und wolkenärmer. Ausgedehnte Schönwetterperioden sind hier gerade im Mai/Juni nichts ungewöhnliches. Zudem kann man mit dem Auto binnen weniger Stunden von der jeweiligen Luv- auf die Leeseite der Insel gelangen. Der Autor dieses Beitrages hat sowohl die Ringförmige Sonnenfinsternis am 31.05.2003 als auch den Venustransit am 08.06.2004 erfolgreich im Norden Islands beobachtet.

Mitternachtssonne Island
Tiefstehende Sonne am Skagafjörður / Nordisland, 06.06.2004, 23:19 Ortszeit


WÜSTE GOBI / SEIDENSTRASSE
Auf der Weltkarte der "Sonnenfinsternis-Jäger" hat die Wüste Gobi seit der Totalen Sonnenfinsternis vom 01.08.2008 einen festen Platz. Damals zog sich die Zentralzone aus der Arktis kommend über Novosibirsk, das Altaigebirge und den Westen der Mongolei, um dann der historischen Seidenstraße durch die chinesischen Provinzen Xinjiang und Gansu zu folgen. Der Venustransit am 06.06.2012 beginnt in dieser Gegend unmittelbar nach Sonnenaufgang, weshalb man freie Sicht bis zum Osthorizont benötigt. Als Beobachtungsorte bieten sich z.B. die Große Mauer in Jiayuguan oder auch die Stelle in der Wüste bei Jinta an, an der 2008 für einige Tage ein Sonnenfinsternis-Camp aufgebaut worden war. Die Wetterstatistiken sind für Juni zwar nicht ganz so günstig wie für August, aber deutlich besser als z.B. in Lappland oder Island.

SoFi-Camp Jinta
Das SoFi-Camp bei Jinta am 01.08.2008; etwa in dieser Richtung geht die Sonne am 06.06.2012
kurz vor Beginn des Venustransits auf.



AUSTRALIEN
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte den Venustransit in Australien beobachten und zwar im Inneren des Kontinents. Die Gegend um das Outback-Städtchen Tennant Creek gehört im Juni zu den wolkenärmsten Regionen weltweit, und dies bei ausgesprochen angenehmen Temperaturen, denn wir befinden uns ja im Winter. Doch selbst die Küste im tropischen Norden von Queensland glänzt mit wenig Wolken, wovon wir uns Anfang Juni 2009 selber überzeugen konnten.

Küstenebene bei Cairns
Blick aus der Kuranda Railway auf die Küstenebene bei Cairns, 07.06.2009, 09:40 Ortszeit